Streitest du noch über Knappheit oder erkennst du schon den Ressourcenkonflikt?



Ressourcenkonflikte entstehen, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllt sind - wenn etwas fehlt oder knapp ist. Es kann sich z. B. um Zeit handeln, um Geld oder um Werkzeuge. So ärgerlich dies st, es handelt sich hierbei "nur" um Rahmenbedingungen, nicht um das Wesentliche. Denn Zielkonflikte, Methodenkonflikte oder Rollenkonflikte sind allesamt gravierender ...


Stell dir vor …

Neuer Tag, neuer Streit. Gestern noch die Frage: Wer spült, du oder ich? Heute ist das kein Problem, denn heute darf die Spülmaschine ran. Also kein Methodenkonflikt. Und gemeinsames Einräumen ist angesagt. Also auch kein Rollenkonflikt. Zuversichtlich legst du gerade die Brotdose eurer kleinen Tochter in die Spülmaschine, als dein Partner eben diesen letzten verbliebenen Raum mit einer Bratpfanne bestücken will. Brotdose meets Bratpfanne – das kann nicht gutgehen.
Der Platz ist definitiv zu knapp für beide. Wie auf Malle, wenn du mit deinem Handtuch keinen freien Platz mehr ergattern kannst. Dir wird schlagartig klar: Es kann nur Einen geben. Wie bei Highlander damals. Und schon seid ihr in einem Ressourcenkonflikt.


Theoretisch heißt das …

Wenn zwei Personen bei der Wahl der Produktionsmittel auf eine Knappheit stoßen, gelangen sie in einen Ressourcenkonflikt. Der Begriff »Ressource« meint hier alle möglichen Mittel, die zur Zielerreichung erforderlich sind. Im obigen Beispiel war es der Platz in der Spülmaschine, das heißt es fehlte an genügend Raum. 

Betrachten wir ein anderes Beispiel – zwei Schreiner bauen einen Stuhl– und untersuchen wir, bei welchen Produktionsmitteln die beiden hier in einen Ressourcenkonflikt geraten können:

  • Werkzeuge (wenn zum Beispiel nur ein Hammer im Raum ist und beide gleichzeitig einen brauchen),
  • Mitarbeiter (wenn ein Praktikant aushelfen soll, der zu einem bestimmten Zeitpunkt aber immer nur für einen der beiden da sein kann),
  • Geld (wenn beide Material benötigen, aber das Geld nur noch für einen Teileinkauf reicht),
  • Zeit (wenn der Kunde bereits vor der Tür steht und nur noch fünfzehn Minuten warten möchte, beide Schreiner aber noch jeweils zehn Minuten für ihre Arbeit benötigen und dafür die Unterstützung des anderen brauchen).

Das Problem entsteht also immer dann, wenn ein (Produktions-)Mittel knapp ist. Es entsteht eine Konkurrenzsituation mit einem Gewinner, der das knappe Gut bekommt, und einem Verlierer, der leer ausgeht. Das Geschirrbeispiel ist nur eines von vielen. Die folgende Tabelle nennt fünf weitere Beispiele für Ressourcenkonflikte:



Praktisch bedeutet das …

Betrachte Ressourcenkonflikte als nachrangige Konflikte. Verglichen mit Ziel- oder Methodenkonflikten sind Ressourcenkonflikte Kinderkram. Denn es fehlt ja nur an einer Rahmenbedingung. In vielen Fällen wird es eine Lösung im Sinne eines Work-arounds geben, bei dem du flexibel Ressourcen hin und herschiebst, nach dem Motto: »Erst du, dann ich, okay?« In manchen Fällen kann es tatsächlich dazu kommen, dass du aufgrund der fehlenden Ressource das Ziel nicht erreichen kannst und es gilt, das Ziel anzupassen, damit es wieder erreichbar wird.


Du nimmst mit … 

Mit den Ressourcenkonflikten haben wir vier von acht Konfliktursachen kennengelernt. Wir haben damit quantitativ die Hälfte erreicht, doch qualitativ beginnt eine Veränderung. Denn wie wir sehen werden, beginnt mit den Bedürfniskonflikten eine neue Dimension. Waren bisher alle Konflikte im Außen sichtbar, sind die nächsten vier eher verborgen.