Emotionale Kompetenz: Basis- vs. Misch- vs. Pseudo-Emotionen


Alle sechs Basisemotionen auf den Punkt gebracht:

  • Wut: Ich bin im Recht, du bist falsch
  • Ohnmacht: Ich bin ausgeliefert
  • Schuld: Ich habe dir etwas angetan
  • Scham: Ich bin nicht wertvoll, liebenswert
  • Angst: Ich bin bedroht, etwas zu verlieren
  • Trauer: Ich habe etwas verloren, das mir wichtig war

Was ist der Unterschied zwischen Basis-, Misch- und Pseudoemotionen?

Emotionen wie Wut, Schuld, Scham oder Angst sind Basisemotionen, weil sie für sich stehen. Sie repräsentieren jeweils ein Gefühl – und zwar genau eines. Wut ist Wut und Wut und nichts anderes. Mischemotionen wie Ungeduld, Neid oder Eifersucht setzen sich hingegen aus mehreren Basisemotionen zusammen, sie sind quasi eine Summe aus mehreren Summanden. So kann in Ungeduld z. B. eine Portion Wut stecken (Warum beeilen die sich nicht?), Ohnmacht (Oh je, ich kann nichts machen, ich bin ausgeliefert!), Angst (Oh je, das kann ja noch Jahre dauern!) und sogar Trauer (Es ist so schade, dass die sich nicht anstrengen).

Genau hierin liegt das Problem der Mischemotionen: Wir wissen nicht, was alles in ihnen steckt. Ungeduld kann z. B. nur aus Wut und Ohnmacht bestehen, es kann aber auch aus Angst, Trauer und Ohnmacht bestehen, also ganz ohne Wut. Wer von Ungeduld spricht, nimmt in Kauf, dass das Gegenüber Fehlannahmen hinsichtlich der Einzel- bzw. Basisemotionen hat. Und hierin liegt eine große Gefahr, missverstanden zu werden und Konflikte zu riskieren, die vermieden werden können, wenn wir statt der Mischemotionen lieber die Basisemotionen aussprechen.

Noch gefährlicher sind Pseudoemotionen, die so klingen wie Emotionen, aber überraschenderweise gar keine sind. Die Formulierung „Ich fühle mich ausgegrenzt" klingt z. B. wie ein Gefühl – nicht zuletzt aufgrund des Verbs „fühlen“. Schaut man aber genau hin, ist es kein Gefühl, sondern ein Gedanke. Wenn du hörst, wie jemand eine Pseudoemotion ausspricht, kannst du dich und ihn fragen, was er „fühlt", wenn er „denkt", er werde ausgegrenzt oder übergangen oder ignoriert. Alle diese Formulierungen repräsentieren lediglich gedankliche Urteile über das Verhalten eines anderen. Sie können leicht übersetzt werden mit „Du-hast-mich ...“, daher werden sie in der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg auch als sogenannte DHM-Gefühle benannt (Du hast mich …“). Formulierungen, die hochgradig riskant sind, weil sich Urteile und damit Vorwürfe hinter vermeintlichen Emotionen verstecken. Daher klare Botschaft: Finger weg von Pseudoemotion

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