Manifestieren und die Rolle des Parasymphatikus

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Manifestieren ist kein Hokuspokus, sondern Neurowissenschaft
Ich dachte, Manifestieren sei ein selbstverliebter Social-Media-Trend. Dann habe ich mich mit dem Neurochirurgen James Doty unterhalten.

03.07.2024

Lebst du noch dein unperfektes Leben oder manifestiert du schon? Influencer:innen und Coaches erzählen auf Social Media, dass wir Gesundheit, Reichtum und Glück erreichen können, wenn wir nur stark genug daran glauben und Techniken wie Visualisierungen und Affirmationen einsetzen. Was erstmal wie magisches Denken und Aberglaube klingt, hat durchaus eine wissenschaftliche Grundlage, meint James Doty, der an der Fakultät für Neurochirurgie an der Stanford University School of Medicine lehrt. 2024 ist sein Buch „Mind Magic“ erschienen. Ich habe ihn in Stanford getroffen.

Herr Doty, ihr Buch beginnt mit dem Satz: „Du bist dem Universum scheißegal!“ Das ist ganz schön heftig. Wie kommen Sie darauf?

Mir war wichtig klarzustellen, dass es nichts außerhalb von dir gibt, was deine Probleme lösen wird. Viele Menschen meinen, wenn sie beten oder positive Sätze ins Universum schicken, sei da draußen ein Wesen, das ihnen zuhört. Da ist aber kein allwissendes Wesen, das sich dir zuwendet und sagt: „Oh, ich habe dich jeden Tag und jede Sekunde deines Lebens verfolgt, und du bist ein guter Mensch gewesen. Du hast positive Energie. Ich werde dich belohnen.“

Man muss einfach nur in die Welt hinausschauen und sehen, wie gute Menschen schreckliche Tragödien erleben. Und schreckliche Menschen davon profitieren. Ich glaube also nicht, dass es da draußen etwas gibt, das uns zuhört.

Was ich weiß, ist, dass unser Gehirn ein unglaubliches Werkzeug ist. Und dass wir mit Gedankentraining außergewöhnliche Dinge erreichen können. Ich weiß auch, wie viele Menschen einen negativen Dialog in ihrem Kopf führen. Wenn man sich ständig erzählt, was alles nicht möglich ist, kann das Gehirn nicht unterscheiden, ob das eine Tatsache ist oder etwas, das ich mir ausdenke. Wenn ich mir also einrede, dass ich etwas nicht kann, wird das für mich zur Realität. Das ist eine Entscheidung. Ich kann mich aber auch dazu entscheiden, das Werkzeug meines Gehirns einzusetzen, um andere Absichten zu manifestieren.

Ich dachte bisher, Manifestieren sei ein leicht selbstverliebter Social-Media-Trend. Sie sagen, Manifestieren funktioniert und dass es dafür eine neurowissenschaftliche Grundlage gibt. Welche denn?

Wir manifestieren die ganze Zeit. Aber wir tun es oft unbewusst. Jede:r von uns schleppt Gepäck aus seiner Kindheit mit. Die meisten Menschen sind sich nicht bewusst, wie sehr uns das beeinflusst. Es betrifft jede Entscheidung, die wir treffen, jeden Job, den wir wählen, jede Beziehung, die wir haben. Wenn man sich dieser tief eingebetteten Gewohnheiten nicht bewusst ist, ist es zunächst einmal schwer, sie zu ändern. So passiert es, dass Menschen sagen: „Mensch, ich mache gerade meine dritte Scheidung durch. Es ist, als wäre jede Frau, mit der ich eine Beziehung eingehe, die gleiche Person wie die davor.“ Was vielleicht daran liegt, dass man aufgrund eingeprägter Muster eine bestimmte Art Person anziehend findet, die nicht gesund für einen ist. Man muss also einige Zeit damit verbringen zu verstehen, was man bereits manifestiert hat. Denken wir an ein Kind, dessen Mutter Alkoholikerin ist. Wenn sie betrunken ist, verprügelt sie das Kind und nimmt es anschließend in den Arm. So entsteht in dem Kind Verwirrung darüber, was Liebe ist und wie sie sich äußern sollte. Es entwickelt ein unangepasstes Bindungsverhalten und sucht sich später als Partner:in immer wieder eine Person, die sie nicht gut behandelt, vielleicht sogar selbst Alkoholiker:in ist. Diesem Muster muss man sich bewusst sein, bevor man sich ändern kann.

Etwas zu manifestieren bedeutet also, dass man bestimmte Muster gelernt und verinnerlicht hat? Und dann danach handelt?

Ja, genau. Diese Muster werden unbewusst verinnerlicht, selbst wenn man weiß, dass sie falsch sind.

Der zweite grundsätzliche Aspekt des Manifestierens betrifft unsere evolutionäre Entwicklung. Es gibt eine bekannte Langzeitstudie, die „Harvard Study of Adult Development“. Diese Studie läuft seit über 80 Jahren und untersucht verschiedene Aspekte des Erwachsenwerdens, darunter die Faktoren, die zu Glück und Langlebigkeit beitragen. Die Harvard-Studie hat eindeutige Beweise dafür geliefert, dass Menschen mit tiefen, bedeutsamen Beziehungen gesünder sind und länger leben. Das liegt daran, dass solche sozialen Verbindungen das parasympathische Nervensystem aktivieren. In diesem Zustand sind Menschen offener, großzügiger und weniger kritisch mit sich selbst – ein Modus, der unser Wohlbefinden fördert. Als Mensch funktioniert man optimal, wenn man sich um andere kümmert, sei es um seine Kinder, Menschen in seiner Gemeinschaft oder um sein Umfeld. Dann funktioniert das Gehirn am besten.

So sollten wir eigentlich leben. Das klappt aber nicht immer.

Die moderne kapitalistische Gesellschaft ist ganz anders aufgebaut. Zu den Anforderungen einer westlichen Gesellschaft gehört, dass man einen Job haben muss, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Man ist häufig nicht mit Menschen zusammen, mit denen man sich wohlfühlt, das erzeugt Angst. Zudem haben wir ein Glücksverständnis, das Erfolg mit Macht, Status und Geld gleichsetzt. So sind wir ständig damit beschäftigt, Erfolg zu suchen und Bestätigung von außen. All das zusammen führt dazu, dass unser sympathisches Nervensystem chronisch aktiviert ist. Dafür war es evolutionär gesehen aber nie gedacht. Vor 200.000 Jahren in der afrikanischen Savanne war die Aktivierung dieses Systems eine seltene Reaktion auf konkrete Gefahren, wie das Rascheln von Gras, das ein Raubtier ankündigen könnte. Heutzutage sind wir fast ständig in diesem Zustand der Anspannung, was unserem Wohlbefinden schadet.

Was hat das alles mit Manifestieren zu tun?

Der Punkt ist, dass man in der richtigen mentalen Verfassung sein muss, wenn man manifestieren will. Wenn das parasympathische Nervensystem aktiviert ist, hat das erstaunliche Vorteile, nicht nur für das Gehirn und die Gesundheit, sondern auch für die Art und Weise, wie man die Welt sieht. Man erkennt, dass viele Dinge, die man dachte zu wollen, einem nicht wirklich helfen. Man versteht, dass die größte Bereicherung die Verbindung zu anderen Menschen ist. So sind wir als Menschen gebaut.

Sie können auch manifestieren, wenn sie total gestresst sind, aber es wird schlechter funktionieren. Und Sie manifestieren vielleicht die falschen Dinge. Ich bin zum Beispiel in Armut aufgewachsen. Als Kind habe ich mir eine Wunschliste gemacht: Ich wollte einen Porsche besitzen und eine Villa und Millionen auf meinem Konto. All das wollte ich haben, um endlich sagen zu können: „Seht her, mir geht es gut. Ich bin in Ordnung, ich bin wertvoll.“ Irgendwann hatte ich Porsche, Villa und Geld, aber ich war kein bisschen glücklich. Was man glaubt zu wollen, ist also nicht unbedingt das, was man wirklich braucht.

Gibt es deshalb so viele Entspannungsübungen in Ihrem Buch? Um das parasympathische Nervensystem zu aktivieren?

Ja. Beim Manifestieren geht es darum, klare, positive Absichten zu setzen und das Unterbewusstsein durch Visualisierung und positive Emotionen auf diese Ziele auszurichten. Das geht am besten, wenn das parasympathische Nervensystem aktiviert wird. Das ist die Logik hinter dem Prozess des Manifestierens.

Mich würde interessieren, welche neurowissenschaftlichen Mechanismen hinter diesem Prozess stecken.

Unsere Sinnesorgane definieren unsere Realität. Über sie nehmen wir die ganze Zeit Informationen auf und erschaffen daraus die Wahrnehmung unserer Existenz. Jede Sekunde empfängt unser Körper etwa zehn Millionen Bits an Informationen. 99,99 Prozent davon sind dafür das, das Gleichgewicht unserer Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Dieser Mechanismus läuft weitgehend unbewusst ab. Nur zwischen 50 und 100 Bits an Informationen pro Sekunde nehmen wir bewusst wahr oder denken darüber nach. Nur zwischen 50 und 100 Bits pro Sekunde nehmen wir bewusst wahr oder denken darüber nach.

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Wenn wir manifestieren, sorgen wir dafür, dass unser Gehirn aus all diesen Informationen diejenigen herausfiltert, die für das, was wir erreichen wollen, relevant sind. Dafür müssen wir eine bestimmte Absicht in unser Unterbewusstsein einbetten. Das geschieht durch einen Prozess namens Value tagging („Wertzuweisung“). Dieser sorgt dafür, dass unser Gehirn bestimmte Absichten oder Wünsche als besonders wichtig einordnet.

Wie funktioniert das?

Value Tagging funktioniert in zwei Schritten. Zunächst einmal definieren wir die Absicht. Dann muss die Absicht in das sogenannte Default-Mode-Netzwerk (DMN) des Gehirns eingebettet werden, zum Beispiel, indem Sie Ihr Ziel visualisieren, sich also vorstellen, wie Sie es erreicht haben.

Das DMN ist hauptsächlich mit Prozessen beschäftigt, die sich um das Selbst drehen: wie wir uns selbst in der Welt sehen oder wie wir sein wollen. Es ist auch mit Nachdenken und Tagträumen verbunden. Wenn die Absicht im DMN verankert wurde, beeinflusst dies ein weiteres Netzwerk: das Task-Positive-Netzwerk (TPN). Dieses besteht aus drei Komponenten: dem Salienz-Netzwerk, dem Aufmerksamkeitsnetzwerk und dem exekutiven Kontrollnetzwerk. Sie arbeiten zusammen, um die Aufmerksamkeit auf relevante Reize zu lenken und die Umsetzung der Absichten zu planen und durchzuführen.

Das Salienz-Netzwerk erkennt, dass deine Absicht wichtig ist. Es ist wie eine Akte, die du erstellt und eingereicht hast. Sie wurde als wichtig markiert und bekommt jetzt Aufmerksamkeit. Das Unterbewusstsein beginnt dann, Dinge in der Umgebung wahrzunehmen, die dafür relevant sind. Ein Beispiel: Wenn auf einer sehr lauten Party jemand Ihren Namen ruft, hören Sie das sofort. Warum? Weil Ihre Identität so tief eingebettet ist, dass Ihr Unterbewusstsein immer auf alles achtet, was mit Ihnen zu tun hat.

Die Aufgabe des Exekutiv-Kontroll-Netzwerks ist es dann, konkrete Schritte zu unternehmen, um Ihre Absicht umzusetzen.

Wie denn zum Beispiel?

Ich arbeite im Moment an einem eher ungewöhnlichen Projekt und war neulich in einem sehr lauten Café. Trotzdem hörte ich in dem Lärm zwei Wörter, die mit meinem Thema zu tun hatten. Als Nächstes stellte ich mich bei den Leuten vor, die darüber geredet hatten. Mittlerweile arbeiten wir gemeinsam an dem Projekt. Durch meine Manifestieren-Praxis hatte ich die Bedingungen dafür geschaffen, dass mein Unterbewusstsein ständig auf jede Situation achtet, die mir helfen könnte, meine Idee zu verwirklichen. Man kann das auch Synchronizität, Zufall oder Intuition nennen.

Manche würden sagen: „Es war ein Zeichen.“

Meinetwegen auch „ein Zeichen“. Es ist wie, wenn ich einem meiner Patienten erkläre, dass er eine bestimmte Krankheit hat. Oft ist die erste Reaktion: „Von dieser Krankheit habe ich noch nie gehört“. Wenn ich sie dann zwei Monate später treffe, sagen sie: „Dr. Doty, sie werden es nicht glauben, aber mir sind jetzt schon fünf andere Leute begegnet, die auch diese Krankheit haben.“

Vor Kurzem hat ein Verwandter von mir sich einen Tesla gekauft. Jetzt hätte ich auch gerne einen. Kann ich mir einen manifestieren?

Sie können eine Intention dafür in Ihr Unterbewusstsein einbetten. Aber man kann nicht einfach hingehen und sagen: „So, heute manifestiere ich mir mal einen Tesla.“ Sagen wir, Sie wollen Marathonläuferin werden. Sie werden nicht morgen aufwachen und mal eben 42 Kilometer laufen. Manifestieren ist ein Prozess, bei dem man Gewohnheiten bildet. Das heißt aber nicht, dass Sie am Ende auf jeden Fall einen Marathon laufen oder Tesla bekommen.

James Doty und der Dalai Lama sitzen auf einer Couch. James Doty lehnt seinen Kopf auf die Schulter des Dalai Lama.
James Doty und der Dalai Lama. © Firdaus Dhabhar

Schade.

Leider gibt es keine Garantie. Aber wenn Sie diese Techniken anwenden, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert. Was sie aber auch nicht wissen, ist, wie lange es dauern wird. Es gibt Projekte, auf die ich seit über einem Jahrzehnt hinarbeite. Wichtig ist, dass ich in mir die feste Überzeugung installiert habe, dass ich sie realisieren werde. Egal, wie lang es dauert. So bleibt diese Möglichkeit immer offen, und das Unterbewusstsein bleibt immer aktiviert.

Haben Sie ein Beispiel aus Ihrem eigenen Leben, wo es sehr lange gedauert hat, etwas zu manifestieren?

Als ich in der vierten Klasse war, habe ich beschlossen, dass ich Medizin studieren wollte. Angesichts meines Hintergrunds, Eltern, die nicht gebildet waren, Armut und kein Zugang zu Ressourcen, haben viele Leute einfach gelacht und gesagt, das könnte ich vergessen.

Haben die Leute Ihnen das wirklich ins Gesicht gesagt?

Nicht in der vierten Klasse, aber definitiv während meiner Collegezeit. Ich hatte in dieser Zeit eine sehr schwere Phase, weil ich mich um meine Eltern kümmern musste. Meine Mutter unternahm in dieser Zeit einen Selbstmordversuch. Ich musste nach Hause und mich um sie kümmern. Außerdem musste ich meinen Vater aus dem Gefängnis holen und mich nebenbei noch um meinen Bruder kümmern, der eigene Probleme hatte. Es ist sehr schwer, präsent zu sein und sich auf ein Studium zu konzentrieren, wenn man solche Sorgen hat. Und noch dazu kein Geld. Um nach Hause zu kommen, musste ich trampen. Manchmal musste ich am Straßenrand schlafen.

Du lieber Himmel.

Meine Freunde und Bekannten im College hatten viel bessere Noten als ich und meinten, dass ich es nie in die medizinische Fakultät schaffen würde. Mein Durchschnitt lag bei 2,53, das ist gut bis mittelmäßig. Der für eine Zulassung zur medizinischen Fakultät lag bei 3,79. Das wären wesentlich bessere Noten gewesen. Zum Glück habe ich nichts von dem geglaubt, was andere sagten. Ich versuche immer, den Gedanken zu vermeiden, ich könnte etwas nicht oder etwas sei unmöglich. Alles ist möglich. Das bedeutet nicht, dass es garantiert gelingt. Aber es ist ein großer Unterschied, ob man von vornherein sagt, man könne etwas nicht erreichen.

Ich hatte also einen unerschütterlichen Glauben daran, dass es mit meinem Medizinstudium klappen würde. Dafür brauchte ich einen Empfehlungsbrief des Pre-Med-Committees. Als ich dort hinkam, warf die Sekretärin einen Blick auf meine Akte und sagte: „Ich gebe Ihnen keinen Termin. Das ist Zeitverschwendung für uns alle.“ Ich sagte: „Ich verstehe, aber ich gehe hier nicht weg, bevor sie mir einen Termin geben.“ Also bekam ich einen. Der Termin fand dann in einem Raum mit einem langen Tisch statt, an dessen Ende drei Personen saßen. Der Vorsitzende nahm meine Akte, warf sie auf den Tisch und sagte: „Erzählen Sie, was sie uns sagen wollen, damit wir das hier hinter uns bringen können.“

Puh, ganz schön gemein.

Zum Glück habe ich es geschafft, ihm in die Augen zu sehen und zu sagen: „Wer gibt Ihnen eigentlich das Recht, die Träume eines Menschen zu zerstören? Ich werde nicht zulassen, dass Sie mich auf einen Notendurchschnitt reduzieren. Ich bin ein Mensch und Sie wissen nichts über mein Leben.“ Es ist sehr schwierig, jemanden abzuweisen, wenn man ihn wirklich als Mensch wahrnimmt. Am Ende bekam ich meinen Empfehlungsbrief. Und die Sekretärin gab mir eine Broschüre für ein Programm der Tulane School of Medicine für sozioökonomisch benachteiligte und Minderheiten angehörende Studenten. Ich habe mich beworben und wurde angenommen.

Was mir an dieser ganzen Idee vom Manifestieren nicht gefällt, ist die Idee, dass jede:r selbst schuld ist, wenn er oder sie nicht das Leben führt, das er oder sie gerne hätte. Als hätten wir alles selbst in der Hand.

Ja, das ist tatsächlich ein Problem. Es wird oft behauptet, dass man selbst schuld ist, wenn man etwas nicht erreicht, weil man entweder nicht hart genug gearbeitet oder es nicht stark genug gewollt hat. Aber natürlich gibt es systemische Probleme in der Gesellschaft, die einem den Weg zu den Zielen versperren können. Manchmal erreicht man etwas einfach nicht, egal wie sehr man es will. Man könnte argumentieren, dass das eine Ausrede sei und Manifestieren in Wirklichkeit eben doch nicht funktioniert. Ich sehe das anders. Ich denke, wenn wir die mentalen Werkzeuge nutzen, die wir haben, besteht wirklich die Möglichkeit, dass wir unsere Ziele erreichen. Aber wenn es nicht klappt, heißt das noch lange nichts Schlechtes über dich.

Redaktion: Bent Freiwald, Schlussredaktion: Susan Mücke, Bildredaktion: Philipp Sipos, Audioversion: Christian Melchert und Iris Hochberger

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Dr. James Doty, Jahrgang 1955, ist Neurochirurg und Professor an der Stanford University in den USA. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen in der kalifornischen Wüste auf; sein Vater war Alkoholiker, seine Mutter schwer depressiv. Als Biotech-Unternehmer im Silicon Valley erlangte er in den 1990er Jahren Reichtum, verlor jedoch durch das Platzen der Dotcom-Blase innerhalb von sechs Wochen ein Vermögen von 75 Millionen Dollar. Doty schreibt in seinem 2024 erschienenen Buch „Mind Magic“, dass dieser Verlust ein wichtiger Einschnitt für ihn war. Er kam zu der Überzeugung, dass materieller Wohlstand nicht das Wichtigste im Leben ist. Obwohl er drei Millionen Dollar Schulden hatte, spendete er Aktien im Wert von 30 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke. 2008 gründete Doty das Center for Compassion and Altruism Research and Education (CCARE) an der Stanford University, unterstützt durch eine finanzielle Zuwendung des Dalai Lama. Zweck des Zentrums ist es, Mitgefühl und Altruismus und deren neuronale, mentale und soziale Grundlagen zu erforschen.


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