Phase 1: Deeskalieren

Entschärfen, was explodieren könnte.

1. Sechs Konfliktmerkmale richtig deuten

Woran lassen sich Konflikte erkennen?  Manche Menschen achten nur auf Worte, manche eher auf Stimme und manche wiederum verstärkt auf Körpersprache. Und manchen gelingt es sogar, mehrere Ebenen nebeneinander wahrzunehmen. 

Was jedoch den wenigsten gelingt: Alle sechs Wahrnehmungsebenen gleichzeitig auf dem Radar zu haben. Doch genau das lohnt sich: Denn je weniger Signale dir entgehen, desto früher kannst du entstehende Konflikte aufhalten …

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2. Abkühlen im Kanal

Dich nervt etwas, doch du schweigst. Du hältst einfach mal die Klappe. Für eine klitzekleine Ewigkeit nur. Denn jedes unüberlegte Wort würde den Konflikt nur verschlimmern. Dein Motto: Entschärfen, was explodieren könnte.

Doch warte nicht zu lang. Nur eine Sekunde oder zwei. Denn Schweigen heißt für viele v.a. eins: Zustimmung. Finde deshalb einen guten Zeitpunkt zwischen "zu früh gesprochen" und "zu lang gewartet". Indem du situationsgerecht KANALisierst ...

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3. Neun Eskalationsstufen kennen

Was sind Eskalationsstufen? Nach der Theorie des Organisations- und Konfliktforschers Friedrich Glasl, können Konflikte bis zu neun Eskalationsstufen durchlaufen (Glasl 2002). Was als Verhärtung oft unbemerkt beginnt, kann sich so weit steigern, bis schließlich alle Beteiligten gemeinsam in den Abgrund stürzen. Aus einer harmlosen Interessenkollision kann ein handfester Krieg werden, den die Beteiligten bis zur Vernichtung des Gegenübers zu betreiben suchen. Diese typischerweise in jedem Konflikt lauernde Dynamik ist auch mit ein Grund dafür, warum geschäftliche wie private Partnerschaften scheitern, obgleich dieses zu Beginn der Auseinandersetzungen von keiner Seite gewollt worden ist. 

Die 9 Eskalationsstufen im Überblick

  1. Stufe 1: Verhärtung - Aufeinanderprallen unterschiedlicher Meinungen oder Verhaltensweisen. (Beispiel: Andrea bemerkt, dass Nandor nicht (mehr) grüßt oder E-Mails nicht mehr weiterleitet.)
  2. Stufe 2: Debatte und Polemik - Sichtbarwerden des Konflikts (offene Streits). (Beispiel: Bettina: »Was fällt dir ein?«; Markus: »Stell dich nicht so an!«)
  3. Stufe 3: Taten statt Worte - Rückzug der Beteiligten, die ihr Ding durchziehen, ohne miteinander zu reden. (Beispiel: Bernd verschränkt die Arme und beschließt, nichts mehr zu sagen. Edda verlässt daraufhin lautstark den Raum.)
  4. Stufe 4: Sorge um Image und Koalition - Suche nach Verbündeten und Hineinziehen von Dritten (Allianzen). (Beispiel: Thorsten beschwert sich über Annika beim Schulleiter; Annika über Thorsten beim Elternabend.)
  5. Stufe 5: Gesichtsverlust - (Öffentliches) Bloßstellen der Gegenseite durch Übergriffe aller Art (Vorwürfe, Provokationen etc.). (Beispiel: Toni schaut demonstrativ auf die Uhr, als Mona zu spät zur Besprechung eintrifft. Mona ahmt Tonis verlegenen Gesichtsausdruck nach.)
  6. Stufe 6: Drohstrategien - Drohungen mit drastischen Konsequenzen. (Beispiel: Walter kündigt an, nicht mehr an Meetings teilzunehmen, wenn Evi ihn noch einmal unterbricht; Evi droht an, sich beim Personalrat über Walter wegen Mobbing zu beschweren.)
  7. Stufe 7: Begrenzte Vernichtungsschläge - Erste Zerstörungsaktionen zur Ausschaltung des anderen. (Beispiel: Jenny klaut oder löscht Unterrichtsmaterialien von Christian; Christian schlitzt die Reifen von Jennys Auto auf.)
  8. Stufe 8: Zersplitterung - Vernichtungsaktionen, um die Gegenpartei zu erledigen. (Beispiel: Aneta sendet Drohbriefe an Klaus und macht Telefonterror.)
  9. Stufe 9: Gemeinsam in den Abgrund - Finale Vernichtungsschläge – auch zum Preis der Selbstvernichtung. (Beispiel: Die Beteiligten führen lange, teure Gerichtsprozesse.)

 

Bei seiner Untersuchung von Konfliktdynamiken hat Glasl folgende grundlegenden Dynamiken beobachtet:

  • Konflikte haben die Tendenz zu eskalieren (von 1 nach 9).
  • Nicht alle Konflikte durchlaufen alle Phasen, und nicht alle Phasen sind immer voneinander trennbar.
  • Elemente der früheren Phasen können auch in späteren Phasen auftauchen. Beteiligte Parteien können sich auf unterschiedlichen Ebenen befinden.
  • Je weiter der Konflikt eskaliert, desto schwieriger ist es, ihn zu lösen (Stufen 1 bis 3: win-win; Stufen 4 bis 6: win-lose; Stufen 7 bis 9: lose-lose)

Wenn du dir das Durchlaufen aller neun Stufen an einem konkreten Beispiel betrachten möchtest und gerne Filme schaust, dann empfehle ich dir die Beziehungsdramen Der Rosenkrieg und Gott des Gemetzels.

 

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