8. Ärger = Schmerzvermeidung

Emotionale Kompetenz | WOSSAT


Ärger hat eine Vermeidungsfunktion. Nennen wir diese die erste Funktion. 

Indem du dem Ärger Raum gibst, verstellt er dir den Blick auf die darunterliegenden Emotionen wie Ohnmacht, Schuld, Scham, Angst oder auch Trauer. Diese Emotionen haben gegenüber dem Ärger einen entscheidenden Vorteil: Sie haben eine Aussagekraft hinsichtlich unerfüllter Bedürfnisse. Du bist zum Beispiel traurig, weil dein Gegenüber die Augen verdreht und das für dich heißt: Er mag dich nicht. Vielleicht fühlst du dich sogar bedroht. Dieser Erkenntnisgewinn wäre wichtig, um dich darum zu kümmern und mit deinem Gegenüber konstruktiv ins Gespräch zu kommen.

Wenn du dich hingegen über das Augenrollen ärgerst, lenkst du dich ab. Du vermeidest den Schmerz der Trauer und fühlst dich damit leichter und wohler. Das Problem: Der Ärger bringt dich oft in eine destruktive Distanz und Dinge werden nur noch schlimmer.

Es ist somit ein vorrübergehend Nutzen, sich zu ärgern (weniger emotionale Last), aber perspektivisch betracht ein Nachteil (weil weniger Möglichkeiten der Klärung).