9. Ärger = Selbstwertstabilisierung

Abwertung | Bewertung | Stabilisierung | Erhöhung | Urteil


Neben der Vermeidung emotionaler Schmerzen wie Ohnmacht, Schuld, Scham, Angst oder Trauer, hat Ärger noch eine zweite wichtige Funktion und zwar die Stabilisierung des eigenen Selbstwertgefühls

Dies gelingt duch Abwertung des Gegenübers bei gleichzeitiger Aufwertungs des Selbst. Wo vorher Augenhöhe war, entsteht durch die eigene Bewertung bzw. das Urteil über den anderen ein Gefälle, nach dem Motto: Ich richtig, du falsch. Wenn wir das tun, dann sind wir Kläger*in, Richter*in und Gefängniswärter*in in einem. 

Dieses Schwarz-Weiß-Denken hat zwar wenig mit der Realität zu tun, aber das interessiert den Ärger nicht. Er hilft dir, dich zu idealisieren und deinen Gegenüber zu kritisieren. Es geht jetzt nicht um Sachlichkeit, sondern um Frieden, der Bessere oder der Richtigere zu sein.

Dieses Vorgehen entspricht auch der Logik von Komplexitätsreduktion: Es wäre wesentlich aufwändiger, die jeweiligen Pros und Cons in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen, als selektiv die für dich günstigen Merkmale herauszugreifen.

Der Vorteil dieses Vorgehens für dich: Du erhöhst und stabiliserst dich. Der Nachteil: Du verzerrst Wirklichkeit und verpasst einen kritischen Blick auf dich und damit den Impuls für eine Persönlichkeitsentwicklung (= Nutzen 3).