Minimierungsstrategie (7/9): Zirkularität

Gibst du weiterhin allein dem Anderen die Schuld für die Konfliktentstehung oder erkennst du schon deine Anteile?



Zirkularität ist eine Ärgerminimierungsstrategie (im AÄM befindet sie sich in Phase 3 (Minimieren) an Stelle 7).

Worüber auch immer du dich ärgerst: Du trägst immer, immer, immer eine Mitverantwortung für das, was vorgefallen ist. Dieses Prinzip nennen Schulz von Thun/Ruppel/Stratmann  "Zirkularität".  Es ist das Ding mit der Henne und dem Ei. Schwer zu sagen, womit es angefangen hat.

Du wirst unterbrochen? Du hast es (irgendwie) zugelassen! Jemand labert schon seit Stunden? Du hast es ermöglicht! Und sogar richtig heftig: Du wirst gemobbt? Du hast es nicht aufgehalten. Du hast zu lange nichts gesagt und damit signalisert, es ist schon okay. Du hast geschwiegen ...

Nehmen wir das Beispiel "Unterbrechen": Du  wurdest unterbrochen, weil du vorher bestimmte Signale gesendet hast, die den anderen dazu einluden. Ob bewusst oder unbewusst, ob absichtlich oder versehentlich, ob verbal oder nonverbal. Völlig irrelevant. Aufgrund deines Auftretens ging er davon aus, sich das Recht herausnehmen zu dürfen, dich zu unterbrechen. Und er meinte auch, damit durchzukommen. Ihr tragt also beide Verantwortung für das Geschehen. In diesem Fall bist du kein bloßes Opfer, sondern der "Unterbrechungseinlader".

Was kannst du tun, um Grenzverletzunen künftig aufzuhalten, und zwar von Anfang an? Anbei 3 Anregungen:

Anregung 1: Leg fest, was andere dir antun dürfen und definiere passende Grenzen.
Woher soll dein Gegenüber wissen, wie weit er gehen kann, wenn du das selbst nicht weißt? Kläre zunächst für dich, welches Verhalten du von anderen Menschen akzeptieren beziehungsweise gerade noch tolerieren kannst. Mit dieser neuen Klarheit legst du anschließend deine persönlichen
Grenzen fest. 

Anregung 2: Keine halben Sachen: Setz Worte, Stimme und Körpersprache gezielt ein.
Das eine ist, sich seiner Grenzen bewusst zu sein; das andere, bei der Überschreitung auch wirklich etwas zu tun. Einschreiten kannst du verbal (mit Worten), paraverbal (über die Stimme) oder nonverbal (mittels Körpersprache). Je stimmiger du diese drei Kommunikationskanäle einsetzt, desto wirkungsvoller ist dein Feedback. 

Anregung 3: Wehre den Anfängen, denn so mancher verwechselt Schweigen mit Zustimmung.
»Wenn sich jemand nicht explizit zur Wehr setzt, muss mein Verhalten wohl okay sein.« Weil wohl leider viele Menschen so denken, verfahre nach dem Grundsatz: »Wehret den Anfängen.« Sobald irgendjemand irgendeine Minigrenze von dir überschreitet, biete ihm sofort Paroli. Bring ihm
schlagartig in Erinnerung, wenn nötig schmerzhaft, dass er sich gerade vergaloppiert hat. Er hat dein Gartentor nicht beachtet ...


Fazit

Das Verständnis von Zirkularität hilft dir, Verantwortung zu übernehmen. War es bisher leicht, dem anderen die alleinige Schuld für etwas zu geben, so ist das jetzt glücklicherweise nicht mehr möglich. Du weichst deiner Verantwortung nicht länger aus und zeigst nicht mehr mit dem Finger auf dein Gegenüber.

Du akzeptierst, dass es auch an dir liegt. Denn: Wer schweigt, darf sich nicht wundern, dass andere das für Zustimmung halten. Und wer alles schluckt, darf sich nicht wundern, wenn ihm andere einen einschenken. Und überhaupt: Wer den Anfängen nicht wehrt, darf sich nicht wundern, wenn sich was zusammenbraut.